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Leadership Einzelprogrammtag: „Wandel und Veränderungsprozesse in der Lausitz am Beispiel des Braunkohleabbaus“

26. April 2018 | By |

Termin: Samstag 2. Juni 2018 von 09.30 – 18.00 Uhr

Die Lausitz ist ein Gebiet in Brandenburg, das massiv mit Umstrukturierung und Veränderung konfrontiert ist. Welche Strategien verfolgen Verantwortungsträger vor Ort, wie gestalten Menschen dort ihre Zukunft aktiv mit?

Wir verbringen einen Tag vor Ort und versuchen einen Überblick über die drängenden Themen zu erhalten. Ganz im Sinne unseres Leadership-Fokus‘, werden wir dafür Führungsperspektiven aus verschiedenen Blickwinkeln heraus kennenlernen.

Am Vormittag sind wir zu Gast bei Dr. Helmar Rendez, dem Vorstandsvorsitzenden der Lausitz Energie und Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG. Wir werden mit ihm gemeinsam im Geländewagen den Tagebau Welzow Süd erkunden und zu Mittag auf dem höchsten Punkt der Gegend einen Imbiss genießen. Danach erhalten wir eine Führung durch das hochmoderne Kraftwerk Schwarze Pumpe. Am Nachtmittag treffen wir lokale Vertreter aus der Wirtschaft, dem sozialen und dem öffentlichen Bereich und diskutieren mit ihnen über ihre unterschiedlichen Perspektiven in Bezug auf das Thema.

Eingeladen sind interessierte Führungskräfte aus Brandenburg und Berlin, sowie die Mitglieder von Leadership Brandenburg und Leadership Berlin – Netzwerke Verantwortung e.V.

Fragen, mit denen sich eine Gruppe von 15-20 Teilnehmenden an dem Tag befassen wird, sind:

  • Welche Prozesse und Einflussfaktoren wirken sich aktuell auf die Region aus?
  • Wie sehen Zukunftsszenarien aus?
  • Wer gestaltet diese mit?
  • Wie gehen insbesondere Verantwortliche mit den Themen um?
  • Wie finden Gestaltende und Betroffene zusammen?

Anmeldung bitte über diesen Link: Anmeldung Lausitz 

Hintergrundinformationen: Auszüge aus einem Artikel von Deutschlandfunkkultur

„Die Braunkohleverstromung ist ein Klimakiller. Doch in der Lausitz hängen Tausende Arbeitsplätze am Tagebau – dementsprechend heftig wehrt sich die rot-rote Landesregierung in Brandenburg gegen konkrete Ausstiegspläne. Wie also geht es weiter?

Noch vier Tagebaue betreibt die Lausitz Energie Bergbau AG, kurz LEAG: In Brandenburg Jänschwalde und Welzow-Süd, in Sachsen Nochten und Reichwalde. Die dort geförderte Braunkohle wird in den Kraftwerken Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg verstromt.

Das Mahlen der Kohlemühlen in den Kraftwerken kann noch eine Weile so weiter gehen: In den genehmigten Abbaufeldern liegen derzeit noch rund 900 Millionen Tonnen Braunkohle. 8.000 Menschen verdienen in der ansonsten strukturschwachen Lausitz ihr Brot direkt bei der LEAG, dazu kommen die vielen Zulieferbetriebe.

Zu DDR-Zeiten arbeiteten zehntausende Kumpel in mehr als einem Dutzend Tagebauen. Damals wurde die Kohle „Schwarzes Gold“ genannt und Schwarze Pumpe galt als „Flamme des Sozialismus“.

Diese Zeiten sind längst vorbei: 2014 verkündet der Betreiber, der schwedische Staatskonzern Vattenfall, sich aus dem Geschäft mit der klimaschädlichen Braunkohle zurückzuziehen. Das Revier steht unter Schock.

Nach anderthalb Jahren Hängepartie findet sich ein Investor: Die tschechische Holding EPH aus Prag steigt ein. EPH gründet mit dem alten Vattenfall-Personal die LEAG und erbt auch die Braunkohlepläne von Vattenfall, die neue Tagebaue erlauben.

(…)

Die LEAG lässt mehr als 400 Millionen Tonnen Kohle im Boden. Am Standort Jänschwalde östlich von Cottbus wird der Tagebau nicht erweitert. Die Entscheidung über den Tagebau Welzow wird bis 2020 vertagt.

Auf sächsischer Seite wird der Tagebau Nochten zwar erweitert, aber nur ein bisschen, erklärt LEAG-Chef Helmar Rendez:

„Würden wir uns für die vollständige Nutzung des Abbaugebietes zwei im ersten Halbjahr 2017 entscheiden, würde dies mit der Umsiedlung von rund 1.700 Menschen und den notwendigen Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe auch in die bergmännische Infrastruktur verbunden sein.“

Und ob diese Investitionen jemals über den Stromverkauf wiedererwirtschaftet werden könnten, sei unter den derzeitigen Rahmenbedingungen mehr als fraglich.

„Die LEAG nimmt daher Abstand von den Planungen, in Nochten das Abbaugebiet zwei vollständig zu gewinnen. Zur Sicherung der Versorgung der Kraftwerke, insbesondere des modernsten Kraftwerks, was wir haben, des Blockes R in Boxberg, benötigen wir allerdings die Braunkohle eines Teils des Abbaugebietes zwei, das sogenannte Sonderfeld Mühlrose.“

(…)

Aber hier leben auch viele Menschen, die sich seit Jahren auf die Umsiedlung vorbereitet haben, auf gepackten Koffern saßen, nichts mehr am alten Haus gemacht, sich teils schon neue Domizile gekauft haben, in Erwartung der Entschädigung des Bergbautreibenden. Die fallen jetzt in ein tiefes Loch. Dementsprechend zweigeteilt sei die Stimmung.

(…)

Auch Nachbarn untereinander beschimpfen sich oder reden nicht mehr miteinander: Der Disput pro oder kontra Kohle teilt die Lausitz.“

Bei Fragen oder Interesse an näheren Informationen schicken Sie bitte eine Mail an: susan.kirch(at)leadership-brandenburg.de