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Leadership Talk in der Biosphäre Potsdam

31. Juli 2017 | By |

Was können Führungskräfte aus unterschiedlichen Bereichen im Rahmen einer Begegnung mit Verantwortungsträgern für sich an Erkenntnissen gewinnen und was andererseits dem Fallgeber mitgeben? In diesem Gedanken waren wir am 17.07.2017 mit unserem ersten Netzwerktreffen zu Gast bei Eckhard Schaaf, Geschäftsführer der Biosphäre Potsdam. Die 7 Führungskräfte aus unserem Netzwerk gingen, nach einem kleinen Einblick in die einzigartige Tropenlandschaft, gleich in medias res. Hauptthema des Abends und größte Leadership-Herausforderung für Eckhard Schaaf war die Sicherstellung der weiteren Existenz der Biosphäre. Sie steht seit Jahren auf wackligen Füßen, da die Stadt jährlich ca. 1 Million Euro für den Erhalt zuschießen muss, weswegen ein Teil der Abgeordneten für eine Schließung ist.

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Vor 10 Jahren übernahm Eckhard Schaaf die insolvente Biosphäre. Von damals nur noch 70.000 Besuchern konnte er die Besucherzahlen nun konstant auf 150.000 pro Jahr bringen. Mit viel Pragmatismus, aber begrenzten finanziellen und personellen Mitteln, entwickelte er die Biosphäre zu einem Markenzeichen Potsdams und konnte sie als Tourismus- und Familienattraktion erhalten. Dies imponierte den 7 teilnehmenden Führungskräften besonders, da ihm über Jahre immer nur ein Planungshorizont von 3 Monaten gewährt wurde, was nachvollziehbar sehr schwierige Bedingungen z.B. für die Motivation und Bindung von Mitarbeitern sind.

Die Zuhörer wollten wissen, wie er das Ruder herumgerissen bekam. Sein Grundgedanke war, neben dem kontinuierlichen Ausbau der Ausstellung, vor allem bei den Mitarbeitern anzusetzen. Er wollte erreichen, dass diese wieder stolz auf ihren Arbeitsplatz sein konnten. Als Hebel dazu identifizierte er das Thema „Qualitätsmanagement“. In allen Service- und Einrichtungsbereichen sollte ein dem Service-Qualität-Deutschland-Siegel entsprechender Qualitätsanspruch etabliert werden. Obgleich die erste zweitägige Schulung aller Mitarbeiter*innen bereits zehn Jahre her ist, hat diese Zertifizierung einen Anspruch und Kriterien fest implementiert, die auch heute noch für die Mitarbeiter*innen im täglichen Handeln Orientierung und Motivation geben. Der gewonnene Stolz auf die eigene Arbeit lässt sich beispielsweise daran ablesen, dass die gesamte Fläche von 5.000 qm von nur zwei Gärtner*innen gepflegt wird, die sich das Spezialwissen um tropische Pflanzen selbst aneignen mussten. Andere Mitarbeiter haben in Eigeninitiative Schulungskonzepte entwickelt, die dazu beitragen, dass heute 5000 Schüler pro Jahr Exkursionen im Rahmen des Unterrichts in die Biosphäre unternehmen. Für die Gewinnung von externen Unterstützern startete die Biosphäre im Mai eine Online-Petition, wo Bürger*innen für den Erhalt der aktuellen Nutzung ihre Stimme abgeben können.IMG_5498

Aber genauso, wie unsere teilnehmenden Führungskräfte einiges an Erkenntnissen – auch im Hinblick auf Medienberichterstattung und Einblicke in die Rahmenbedingungen von städtischen Unternehmen – mitnehmen konnten, so gab es auch umgekehrt einiges an Ideen, Anregungen und Feedback für die Leadership-Herausforderung von Eckhard Schaaf aus dem Kreis der Gäste. Einige der Punkte möchten wir benennen:

• Kaum ein Medienbericht über die Biosphäre kommt ohne die Zuschreibung „defizitär“ aus. Es könnte hilfreich sein, dem mit einer Bewusstseinsbildung entgegenzuwirken, dass jeder kommunale Zoo oder Tierpark, jedes Theater und jedes Schwimmbad auch nicht ohne öffentliche Zuschüsse auskommt. Insofern kam die Anregung, eine Tabelle zu erstellen, in der jährliche Besucherzahl, Einnahmen durch Eintrittsgelder und Zuschüsse gesamt und pro Ticket von verschiedenen Institutionen im Vergleich aufgelistet sind. Mit dieser Transparenz könnte die Diskussion darum, ob Potsdam als einzige Landeshauptstadt ohne Zoo sich den Erhalt der Biosphäre leisten kann und will, in eine andere Richtung gelenkt werden – weg vom Attribut „defizitär“.

• Berlin leistet sich wie keine andere Stadt in der Welt drei Opernhäuser. Zu den Gründen, warum keines der drei stark von öffentlichen Zuschüssen abhängigen Häuser geschlossen wurde, kann man auch das Vorhandensein an großen, vielfältig vernetzten „Fördervereinen/Freundeskreisen“ zählen. Über einen solchen verfügt die Biosphäre Potsdam bislang nicht. Hier kam die Empfehlung, die Gründung eines Freundeskreises anzustoßen. Möglichkeit für einen diesbezüglichen Impuls bietet evtl. die 15-Jahr-Feier am 14.09.2017. Leadership Brandenburg kann bzgl. des Vereinsgründungsprozesses mit Know-How unterstützen. Aus dem Schwesterverein Leadership Berlin sind in den letzten 5 Jahren immerhin vier Vereinsgründungen initiiert und unterstützt worden.

• Eine weitere Empfehlung bezog sich auf die Übertragung von Good-Practice-Beispielen aus anderen Tierparks. Eine ganz konkrete Idee war hierbei die Einführung von Patenschaften für Pflanzen und Tiere, die einerseits Einnahmen und andererseits emotionale Bindungen ermöglichen.

In der regen Unterhaltung wurden noch einige andere Gedanken und Ideen ausgetauscht. Nun sind wir gespannt und drücken die Daumen für Eckhard Schaaf, dass er das richtige Händchen bei der Mitarbeiterführung behält und, ob er den Erhalt/Ausbau dieser einmaligen Tropenwelt im bevölkerungsdynamischen Norden der Landeshauptstadt nachhaltig voranbringen darf. Ein wichtiger Schritt hierbei wird sicherlich 2018 die Öffnung der Gastronomie auch für Nicht-Besucher sein. Was für ein Potential hier verborgen liegt, konnten wir zum Abschluss des Abends mit einem köstlichen, kleinen Gruß aus der Küche selbst schmecken!

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