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Leadership-Talk zum Thema „Entwicklung der Führungskultur von einer Zuständigkeits- zur Verantwortungskultur.“

6. April 2018 | By |

Wie kann in einer notwendigerweise stark strukturierten Arbeitsumgebung die starre Hierarchie aufgebrochen und Eigenverantwortung in den Führungsebenen verstärkt werden? Mit dieser Frage haben sich 13 Mitglieder und Interessenten von Leadership Brandenburg – Netzwerk Verantwortung e.V. (LSBB e.V.) bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) auf Einladung von Tillmann Stenger, Vorstandsvorsitzender der ILB, im Rahmen unserer zweiten Leadership-Begegnung beschäftigt.

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Banken sind traditionell klar strukturierte und hierarchisch organisierte Unternehmen. Dazu kommt der Fokus auf digitale Prozesse, auf Risikominimierung und Nachweisbarkeit, denn bei Investitionsbanken werden hohe Summen und öffentliche Gelder bewegt. Die ILB ist jedoch nicht nur eine Anstalt des öffentlichen Rechts, sondern gleichzeitig eine Bank mit häufig sehr langfristig angelegten Förder- und Investitionsprojekten. Dieser Spagat zwischen Bank und Behörde spiegelt sich auf unterschiedliche Weise im Alltag wider. Trotz der notwendigen Bürokratisierung von Abläufen machen sich auch in diesem Kontext mehr und mehr Veränderungen der modernen Arbeitswelt bemerkbar. Jüngere Führungskräfte und Mitarbeiter haben andere Wünsche und Vorstellungen von ihrer Arbeit als bisher üblich. Es werden zum Beispiel Forderungen nach transparenter Kommunikation und mehr Mitarbeiterbeteiligung lauter. Die steigende Komplexität der Arbeit erfordert außerdem mehr Eigenverantwortung.

IMG_1355._5Viele dieser Herausforderungen sind Aspekte von Unternehmenskultur und nicht mit allgemeingültigen Patentrezepten lösbar. Also befragte Herr Stenger zuerst seine Mitarbeiter nach deren Wünschen und Anregungen und stieß vor knapp zwei Jahren ein internes Kulturveränderungsprojekt an. Dabei leitete ihn die Überzeugung, dass eine Unternehmenskultur sich nur verändern kann, wenn die Führungsriege als Vorbild den Weg zuerst selbst beschreitet. Dementsprechend wurden über einen Zeitraum von gut einem Jahr die Führungskräfte der zweiten und dritten Ebene in gemischte Gruppen eingeteilt und mit unterschiedlichen Themenkomplexen betraut. Sie beschäftigten sich mit neuen Führungsleitlinien, mit Wegen zu effizienteren Meetings, mit der Veränderungsgestaltung in den Teams oder mit dem Umgang mit besonders guter oder schlechter Leistung und noch einiges mehr. Der entstandene Prozess wurde von den rund 60 Beteiligten im Rahmen von mehreren Workshops und schließlich einer übergreifenden Abschlussveranstaltung mit viel Engagement und Kreativität vorangetrieben. Neue Ansätze wurden erarbeitet und in die Umsetzung gebracht. Teile davon laufen bis heute weiter. Bei den Führungskräften zeigt sich bereits gesteigertes Selbstbewusstsein gepaart mit besserer Kooperation, sowie gestiegene Eigenverantwortung und Eigeninitiative. Nach einem intensiven Jahr mit viel Dynamik und einer Reihe von Anstößen geht es nun darum, die erarbeiteten Ergebnisse in das gesamte Unternehmen weiterzutragen und zu verstetigen. Hier sind schon jetzt einige neue Herausforderungen spürbar und der Prozess bleibt auf jeden Fall spannend.

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Herr Stenger ermöglichte uns in einem spannenden Vortrag zusammen mit seinem für den Prozess verantwortlichen Mitarbeiter Herr Hüttges (Referent Personal) anhand von vielen konkreten Beispielen tiefe Einblicke in den internen Prozess. Die sich an den Vortrag anschließende Diskussionsrunde war entsprechend lebhaft und intensiv. Viele der Anwesenden haben in ihrem Kontext mit ähnlichen Themen zu tun oder befinden sich bereits ebenfalls in internen Kulturveränderungsprozessen. Anhand von tiefgehenden Fragen und dem Austausch von unterschiedlichen Ansätze konnten viele Erfahrungen geteilt werden. Wie sich zeigt, ist das Thema einer Kulturveränderung vor allem auf lange Sicht ein komplexer Prozess, der sich weder nebenbei noch im Hauruckverfahren durchdrücken oder auf wenige Fragestellungen beschränken lässt. Das große Interesse an dem Austausch wurde entsprechend mit dem Wunsch geäußert, sich über den Abend hinaus mindestens noch einmal in kleinerer Runde zu treffen.

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Insgesamt kam dieser intensive und von großer Offenheit getragene Abend, der an vielen Stellen tiefe Einblicke ermöglichte, bei den Teilnehmern sehr gut an. Wir danken unseren Gastgebern Herrn Tillmann Stenger und Herrn Mario Hüttges herzlich für Ihre Zeit und die Bereitschaft so offen mit uns in die Diskussion einzusteigen. Dieser Abend war damit ganz im Sinn von LSBB e.V.. Uns geht es besonders darum, die Realitäten unserer Gastgeber und Diskussionspartner in unterschiedlichen Facetten zu erleben und dabei nicht nur die schönen Seiten kennenzulernen. Gerade der Austausch über selbst erlebte Herausforderungen und über bereits getestete Lösungsansätze machen solche Diskussionsrunden wertvoll. Nur so können die Teilnehmer sich gegenseitig inspirieren oder Kooperationsmöglichkeiten entstehen lassen.